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Badminton, wie kommt diese Sportart nach Europa bzw. nach Deutschland?

Mitte des 19. Jahrhunderts bringen englische Kolonialoffiziere aus Indien ein Spiel namens Poona nach England. 1872 führt man dieses Spiel in Badminton House vor, dem Landsitz des Duke of Beaufort. Dieser Landsitz gab dem Spiel den Namen, unter dem es sich später in aller Welt verbreiten wird. Um die Jahrhundertwende wird das Spiel über Großbritannien hinaus bekannt und verbreitet sich zuerst in Ländern die unter britischem Einfluss stehen. Neun Nationen gründen 1934 den Weltverband IBF. Heute sind es über 60 nationale Verbände, die dem Weltverband angehören.
1951 wird der erste deutsche Badminton Club gegründet und so heißt er auch. Der1. DBC Bonn.

Interessant ist sicherlich, wie es zu den 1. Deutschen Meisterschaften kam. Anlässlich einer Sportartikelmesse in Wiesbaden wurde der Sportartikelkaufmann Fred Haas 1953 vom Verband deutscher Sportgeschäfte beauftragt, Badminton-Werbespiele zu organisieren. Haas lud alle ihm bekannten deutschen Badmintonvereine und -abteilungen ein mit dem Ziel, die 1. Deutschen Meisterschaften im Einzel auszutragen. Diese fanden am 17. und 18. Januar 1953 in der Schlossreithalle in Wiesbaden statt. Die Vertreter der 14 teilnehmenden Vereine machten sofort Nägel mit Köpfen und gründeten am zweiten Meisterschaftstag, also am 18. Januar 1953, den Deutschen Badminton-Verband e. V. (DBV). Zum ersten Präsidenten wurde der Bonner Unternehmer Dr. Hans Riegel (Haribo) gewählt, der auch zu den Initiatoren und Ideengebern dieser Gründung zählte. Immerhin schon 30 Vereine sind Mitglied im Verband.

Hans Riegel lässt im selben Jahr auf dem Betriebsgelände seiner Firma HARIBO in Bonn-Kessenich die erste reine Badmintonhalle Deutschlands errichten. Diese Halle wird ein architektonisches Meisterwerk, nach dänischen Vorgaben gebaut, in einer der Flugbahn des Federballs angepassten Parabelform. Badminton in Deutschland ist plötzlich der absolute Renner.

Nur wenige Wochen nach der Verbandsgründung und den deutschen Meisterschaften werden schon die ersten internationalen deutschen Badmintonmeisterschaften im März 1953 ausgetragen. Natürlich in der tollen Halle in Bonn, wo das Turnier die nächsten 7 Jahre stattfinden wird. Neben den Bonnern mit ihren Aushängeschildern Dr. Hans Riegel und Paul Riegel sind STC Blau Weiß Solingen (2) Ohligser TV (3), BC Düsseldorf (4), OSC Düsseldorf (5), BC SW Düsseldorf (6), OSC BG Essen-Werden (8), BC Westfalia Herne (9), TV Merscheid (10), die Vereine der ersten Stunde in Nordrhein-Westfalen. Vereine wie z.B. der TV Merscheid oder der Ohligser TV bestehen zwar schon seit vielen Jahren, eröffnen aber zusätzlich in der ersten Hälfte der 50er Jahre ihre Badmintonsparte und gehören mit zu den Pionieren in NRW. Nachdem nun auf Bundesebene der Sport organisiert ist, wird in NRW im September 1953 der Badmintonlandesverband gegründet.
Regional sprießen meistens direkt mehrere Vereine nahezu zeitgleich aus dem Boden. 1956 ist es dann an der Zeit, dass auch in Köln an das Badmintonspielen gedacht wird.